|
 |
|
Favelas
Favelas ( illegale Siedlungen ) sind eine typische Erscheinung der zeitgenössischen Großstädte in Brasilien und auch in anderen Schwellen- und Entwicklungsländern mit hohen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstumszahlen und einem darauf folgenden explosiven und unkontrollierten Stadtwachstum.
In Brasilien entstanden die ersten Favelas Anfang des Jahrhunderts in Rio de Janeiro durch Zuwanderung von Landbevölkerung aus den unterentwickelten Gebieten im Norden des Landes. Im Laufe der zunehmenden Industrialisierung hatten die südlichen Städte Brasiliens jährliche Bevölkerungszuwachsraten bis zu 8 %. São Paulo wuchs in kürzester Zeit zu einer der größten Städte der Welt. Die Stadtplanung konnte dem großen Bevölkerungsdruck in den Fünfzigern nicht standhalten. Buchstäblich über Nacht schossen komplette Siedlungen aus dem Boden. Die größte Favela befindet sich mit rund 200.000 Einwohner heute in Rio de Janeiro ( Favela da Rocinha ). Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und eine verfehlte Planungspolitik in den Großstädten begünstigten zusätzlich die Entstehung von neuen und immer größeren Favelas.
In São Paulo leben heute rund 1 Million Menschen in Favelas, das sind ca. 5 % der Bevölkerung. Das Favelasyndrom stellt für Brasilien ein großes soziales und vor allen Dingen ein ökologisches Problem dar. Die Politik der Negierung des vorhandenen Problems änderte sich erst nach der ersten Habitat Konferenz 1976 und der Forderung der Konferenzteilnehmer auf ein internationales Menschenrecht auf Wohnen.
Heute wird in Brasilien und weltweit in Projekte investiert um bestehende Favelas nachträglich zu urbanisieren und sie somit als ein festes Bestandteil in das Stadtbild zu integrieren. Um Favelas nachträglich zu urbanisieren, muß zuerst eine umfangreiche soziale, städtebauliche und technische Analyse erstellt werden. Erst danach ist es möglich die wichtigsten Entscheidungen für die städtebauliche Planung zu treffen, denn die Gebiete repräsentieren sich in einem unterschiedlichen Grad der Konsolidierung. Die Urbanisierung bedeutet dabei die Reparatur einer bestehenden, chaotischen Struktur in enger Kooperation zu den Bewohnern um damit nachträglich ein mit aller prinzipiellen Infrastruktur versehenes Stadtteil zu schaffen. Die Projekte Favela - Bairro in Rio de Janeiro und Guarapiranga in São Paulo sind momentan die bedeutendsten Programme in Brasilien zur Urbanisierung von Favelas.
Im Folgenden einige Charakteristiken für Favelas:
| |
Entstanden zumeist durch Landbesetzungen von öffentlichen Geländen, und somit ungeklärte Eigentumsverhältnisse. |
| |
Befinden sich zumeist in problematischem Geländen, an steilen Abhängen, an Flußufern oder entlang von stark befahrenen Verkehrsachsen. |
| |
Nicht vorhandenes oder informelles Wasser- und Abwasser-, sowie Elektrizitätsnetz. |
| |
Nicht vorhandene, zu schmale oder unbefestigte Zufahrtsstraßen, Fußwege und Treppenanlagen. |
| |
Nicht vorhandene, oder zu wenige und nicht erschlossene öffentliche Bereiche zur Naherholung. |
| |
Nicht vorhandene öffentliche und soziale Einrichtungen, wie Kindergärten, Schulen oder Krankenstationen. |
| |
Extrem hohe Wohn- bzw. Bevölkerungsdichte. |
| |
Wohngebäude in schlechtem konstruktivem Zustand. |
| |
Wohngebäude in Risikozonen, an ungesicherten Abhängen, in Überschwemmungsgebieten, oder auf belasteten Böden. |
| |
Soziale Probleme innerhalb Bevölkerung, durch Krankheit, Kriminalität und Arbeitslosigkeit. |
|
|
|